jahnna jahnna Zahl 6, Tusche – Was wahr und die Wahrheit ist (1)

Ich grüsse euch. In diesem sechsten jahnna Filmchen – dieses ist der erste in der Reihe – möchte ich dich daran erinnern, was das Wort ‹wahr› und das Wort ‹Wahrheit› bedeutet.

Es gibt vier große Unterscheidungspaare, die alle eine eigene Bedeutung haben und die alle aus einer anderen Quelle gespeist sind: ‹wahr› und ‹nicht wahr›, ‹richtig› und ‹falsch›, ‹stimmig› und ‹unstimmig›, ‹gut› und ‹schlecht›. In diesem Filmchen möchte ich dich daran erinnern, was das Wort ‹wahr› bedeutet.

Es ist ein tiefes Wort einer jeden Sprache, denn jede Sprache hat Worte und bildet Aussagen und bei jeder Aussage, bei jedem Gelesenen, Gehörten und vor allem auch Gedachten stellt sich die Frage: Ist das wahr?

Es gibt eine ursprüngliche Bedeutung des Wortes ‹wahr›, die ich dir zeigen möchte. Wer sie erkennt, wer sie verwendet, wer wahr spricht, klärt sein eigenes Sprechen und damit auch sich selbst. Wer wahr spricht, klärt seine eigenen Beziehungen.

Wenn du mir zuhörst, dann empfehle ich dir zeitgleich auch zu spüren und zu schauen, ob das, was ich sage, für dich stimmig ist, ob es dich berührt. Probiere es einmal aus, ob es dir hilft im alltäglichen Leben Klarheit zu finden, für dich selbst. Denn das Wahre beginnt zunächst bei dir selbst.

Ich habe hier einen Apfel. Es ist wahr, dass ich einen Apfel in der Hand halte, denn ich sehe ihn mit meinen Augen. Ich taste ihn mit meiner Handfläche. Mit meinen Fingern taste ich seine Kontur, seine Schale, seine glatte, feste Schale. Ich kann ihn riechen und er riecht köstlich. Ich kenne den Baum persönlich, von dem ich ihn gepflückt habe, vor etwa einer Woche, 120 km entfernt. Deshalb ist sein Blatt mittlerweile verwelkt. Ich kann in ihn beißen und würde seinen süßen Saft kosten, der mir, alles zusammengenommen, unzweifelhaft sagt, dass es ein Apfel ist und keine Quitte oder Birne. Meine Augen, meine Finger, meine Nase und mein Geschmack sind meine Zeugen. Jeder um mich herum, der auch seine Sinne offen hat, könnte es bezeugen.

Es gibt ein Wort in der deutschen Sprache, was erkennen lässt, was das Wort ‹wahr› bedeutet. Die deutsche Sprache ist eine klare, recht aufgeräumte, weise Sprache. Immer wieder gab es Menschen, die sich um die Sprache bemüht haben und die Wörter gestrichen haben in Wörterbüchern, die verwirrend waren. Wenn du die deutsche Sprache erforscht, wirst du vieles finden, was Wahres und Wirkliches erkennen lässt und ausdrückt. Das Wort, das ich meine, das erkennen lässt, was ‹wahr› ist, ist: ‹wahrnehmen›.

Es ist wahr, dass ich einen Apfel in der Hand halte, weil ich ihn für ‹wahr› nehme, weil ich ihn ‹wahrnehme›. Meine Sinne sind meine Zeugen. Und sie trügen mich nicht. Solange ich nicht im Denken verweile, und irgendwelche Illusionen vor Augen habe, sondern in den Sinnen bin, dann nehme ich wahr, was geschieht. Es ist so, wie in einem Kriminalfall: Dort braucht es einen Augenzeugen, um herauszufinden, was wahr und wirklich geschehen ist.

Es ist in der heutigen Zeit ein großer Schritt, immer wieder aus dem Denken herauszutreten und in das wahre Wahrnehmen zu gelangen. Viele Aussagen kann ich so selbst als ‹wahr› oder ‹nicht wahr› unterscheiden.

Wenn zum Beispiel jemand sagt, dass in der Schweiz seit mehr als hundert Jahren die Gletscher schmelzen, so kann ich zu einem Gletscher gehen und ich kann mir Fotos anschauen von vor hundert Jahren. Ich kann mich an dieselbe Stelle stellen, zur selben Jahreszeit, und sehen, dass das Eis zurückgegangen ist.

Wenn mir jemand sagt, dass dieses da der höchste Berg weit und breit ist, dann kann ich hinaufsteigen, an einem blauen, wolkenlosen Tag, und umherschauen und sehen: Ja wirklich. Kein Berggipfel weit und breit ist höher als der, auf dem ich stehe.

Wenn irgendwo geschrieben steht, dass wir Menschen in den letzten fünfzig Jahren in Europa mehr als fünfzig Prozent der Tierarten ausgerottet haben, so kann ich zu einem Biologen gehen und mir zeigen lassen, welche Tierarten inzwischen ausgestorben sind. Und nun kann ich in die Wälder, zu den Flüssen und Feldern gehen und schauen, ob ich diese Tierarten noch finde. Natürlich braucht es viele Menschen, um solche Dinge herauszufinden.

Meine Empfehlung ist: Beginne bei dir selbst und finde zunächst das Wahre in dir. Wir laufen Gefahr in der heutigen Zeit, zu viel im Kopf zu sein. Uns erreichen täglich hundert mal mehr Aussagen als vor einhundert Jahren, fünfhundert mal mehr Aussagen als vor fünfhundert Jahren. Und bei jeder Aussage stellt sich die Frage: Ist es wahr oder ist es nicht wahr?

Es ist ein Entwicklungsweg. Es ist hilfreich, soviel zu erfahren, aber auch eine Gefahr gleichermaßen. Deshalb meine Empfehlung. Und es ist leicht gesagt, aber ein großer Schritt: Beginne, dein Denken wieder mit dem eigenen Wahrnehmen zu verbinden. Wenn du das Wahre in dir selbst findest, kannst du viel leichter wahr sprechen, dich selbst klären und deine Worte werden auch deine Beziehungen und anderes klären.

Wenn du es für dich selbst gefunden hast, was wahr ist, was das Wort ‹wahr› bedeutet, dann kannst du auch unterscheiden, wer in welcher Art und Weise spricht. Jemand der wahr spricht, wer im Sprechen mit dem Wahrnehmen verbunden ist – nicht nur mit dem eigenen, sondern auch mit dem seiner Mitmenschen – der spricht und lebt in Ehre. Wer sein eigenes Wahrnehmen und das seiner Mitmenschen verleugnet und Dinge in der Welt verbreitet, die weder er selbst noch irgend jemand sonst wahrgenommen hat, der hat seine Ehre verwirkt.

Viel Freude beim Erforschen deines eigenen Wahrnehmens. Im nächsten Filmchen werde ich davon sprechen, was das Wahrnehmen von uns Menschen alles umfasst.

Mögen wir die Klarheit der Welt bewahren.

Aufgenommen am 20.10.2019 um 13:21 Uhr